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 Infrastruktur
 Plan HafenCity Überseequartier - HafenCity Großer Grasbrook - Plan Neue Mitte Altona - Flächennutzungsplan Kiel 1990er Jahre
 Stadtplanung & Stadtentwicklung
Schon früh haben Wachstum, Entwicklung und Veränderung von Städten - historisch und in der Gegenwart - mein Interesse geweckt, vor allem aber die Planung neuer und Erweiterung bestehender Stadtteile mitsamt Infrastruktur, zumal es hierbei auch um den persönlichen Lebensraum geht. Dabei sind die letzten Jahrzehnte von einer in den frühen 1980er-Jahren einsetzenden Entwicklung geprägt, nach dem Ende des 1970er-Betonzeitalters Stadtteile wohnlicher und Stadträume „offener“ zu gestalten - als Räume, die nicht mehr nur transitmäßig durcheilt werden, sondern in denen man sich aufhält und trifft, mit Aufenthalts- und Wohlfühlqualität im Charakter eines nach draußen verlegten öffentlichen Wohnzimmers. Im selben Zuge wurde Außengastronomie, in größeren Städten früher restriktiv gehandhabt, nun integraler Teil von Stadtkultur und Lebensgefühl. Auch das Aussehen neu erschlossener Einfamilienhausgebiete wandelte sich positiv; sie weisen ein anderes, vielfältigeres und aufgelockerteres Gesicht auf als solche, die aus den 1970er-Jahren stammen.
Das positive Instrument der Stadtplanung droht jedoch zunehmend in den Dienst volkserzieherischer Maßnahmen oder des aktiven Gesellschaftsdesigns („urban - hip - vibrant“) gestellt zu werden - ein Trend, dem ich mit großem Mißtrauen begegne.

 Die Hamburger HafenCity - Europas größtes Stadtentwicklungsprojekt im frühen 21. Jahrhundert
Was zur Jahrtausendwende noch eine unansehnliche Industriebrache mit isolierten Industrie-Teilbeständen war, wird dank einer ausgeklügelten und seit den 1990er-Jahren von langer Hand vorbereiteten Langzeit-Strategie der Hamburger Stadtentwicklungsbehörden schrittweise in einen neuartigen lebendigen, interessanten und auch schönen Stadtraum umgewandelt. Von Anfang an hatte ich das Projekt HafenCity mit Faszination und Sympathie verfolgt, wobei mein besonderes Interesse vor allem der Definition und dem „Look & Feel“ der Quartiere, der Anlage der Hauptverkehrswege und der Parks sowie jüngst dem Bau der U-Bahn-Linie U4 und der Elbphilharmonie galt.
Wie man andererseits kritisch anmerken kann, ist die HafenCity gewissermaßen Hamburgs erster durch und durch „postmoderne“ Stadtteil, der kaum Anknüpfungspunkte an die bisherige jüngere Stadtteilgeschichte besitzt und insbesondere der erste groß angelegte Versuch der Nachkriegszeit ist, neben den architektonischen Leitlinien auch gleich das gewünschte Lebensgefühl und soziale Gefüge und Gepräge der künftigen Einwohner am Reißbrett zu definieren und vorzugeben, wie die allseits bemühten Schlagworte „diversity“, „creativity“, „sustainability“ und „vibrant city“ zeigen. Der berühmte „Senior mit deutschem Hirschgeweih“ und dunkler Wandtäfelung wirkt in dieser „kreativen Blase“ eher störend – und das wirkt auch wie von den Ideengebern dieses Quartiers bewußt so gewollt, auch wenn der britische Autor Owen Hatherley in seinem Buch "A New Kind of Bleak: Journeys Through Urban Britain" (Introduction, pp. xxvii-xxxii) die Hamburger HafenCity ausdrücklich vor dieser Deutung in Schutz nimmt und ihr vor allem großes Lob im Vergleich zu britischen urbanen Revitalisierungsprojekten zollt.

Der sich abzeichnende Erfolg der Hamburger HafenCity machte das Projekt HafenCity europaweit zu einem Ideengeber und einer Blaupause für ähnliche Revitalisierungsprojekte wie beispielsweise die nur wenige Jahre später angeschobene Bremer Überseestadt, deren Struktur und Formensprache unübersehbar auf den „geistigen Vater“ HafenCity verweist.

 Ausgewählte Stadtentwicklungsprojekte
 Raumordnung - Raumstruktur und Zentralität
Unter Raumordnung versteht man die Gesamtheit aller Maßnahmen, Konzepte und Pläne, mit denen eine humangeographische Raumstruktur mit ihren Vernetzungen erfaßt, definiert, gesichert oder weiterentwickelt wird.
Die Ziele der Raumordnung, die auch das Anliegen dahinter verstehbar machen, sind:
  • Langfristiger Schutz für die oftmals sehr teuren öffentlichen Investitionen in die bestehende oder noch zu errichtende Infrastruktur
  • Verhinderung von großräumiger Abwanderung und Entvölkerung
  • Erhalt und behutsame Weiterentwicklung der bestehenden vertrauten Siedlungsstrukturen, Verhinderung von Wildwuchs
  • Sicherung gleichwertiger Lebensbedingungen in Stadt und Land
  • Ausgleich signifikanter gegenläufiger Interessen
  • Gute Erreichbarkeit/Zugänglichkeit (hoch-)zentraler öffentlicher/privater Einrichtungen
  • Langfristige Planungssicherheit für private Großinvestoren
Raumordnung birgt aber auch Gefahren und Probleme, derer man sich bewußt sein muß: Gängelung Manipulation Umerziehung politische Paradigmen
Massive Eingriffe in die Freiheitsrechte der Bürger und in die kommunale Selbstverwaltung
Sozialdesign
statt positives Ausnutzen natürlicher Tendenzen

 System der zentralen Orte
Raumordnung: System der zentralen Orte

Metropole
Oberzentrum
Mittelzentrum
Grundzentrum
Metropolregion (MR): Oberzentrum (OZ): Mittelzentrum (MZ): Grundzentrum (GZ):
Kategorie Definition Typische Merkmale
und Einrichtungen
Metropole Regionale Agglomeration zentraler Einrichtungen mit internationaler Bedeutung (Unternehmensverwaltungen und –dienste, Finanzwesen, Verkehr, Wissenschaft und Forschung, Kultur, Medien) Bedeutende Universität(en)
Internationaler Airport
Internationaler Seehafen
U-/S-Bahn
Subzentren
Oberzentrum Standortcluster hochwertiger, spezialisierter Einrichtungen im wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und politischen Bereich mit großräumiger Bedeutung Hochschule(n)
Regionalflughafen
IC-Bahnhof
Umfangreicher ÖPNV
Einkaufszentrum, Kaufhaus
Mittelzentrum Standortcluster mit vielfältigem Infrastrukturangebot für Bevölkerung und Wirtschaft mit regionaler Bedeutung Gymnasium
Stadtbusnetz
Fachmärkte und -geschäfte, Fußgängerzone
Grundzentrum Standortcluster mit allen elementaren Versorgungseinrichtungen zur Grundversorgung der Bevölkerung Grundschule
Supermarkt

angelehnt an: Hans Gebhardt, Das Zentrale-Orte-Konzept heute - neoklassischer „Ladenhüter“ oder zeitgemäßes Instrument zum „Framing“ von Planungsprozessen?, Vortrag auf dem Kolloquium des Geographischen Instituts der Universität Münster, 02.12.2003

Neben diesen Grundkategorien existieren auch Übergangsstufen, z.B. Mittelzentren mit oberzentraler Teilfunktion oder Oberzentren-Verbünde aus mehreren eng benachbarten Städten

Der Begriff „Metropolregion“ ist hier bewußt durch „Metropole“ ersetzt worden, da insbesondere im Hamburger Umland der Begriff „Metropolregion“ von der Politik mit einer Bedeutung belegt wurde, die ein riesiges Gebiet von der Größe eines Flächenbundeslandes (ca. 28.500 km2, von Cuxhaven bis Plau am See, von Puttgarden bis Lindwedel) bezeichnet, das keinesfalls als Agglomeration gedeutet werden kann.

Großstadt ab 100.000 Einwohner
Mittelstadt ab 20.000 bis unter 100.000 Einwohner
Kleinstadt unter 20.000 Einwohner

Nicht jede Großstadt ist automatisch ein Oberzentrum, da sich die Einordnung bei weitem nicht allein nach der Größe, sondern insbesondere nach dem Vorhandensein regionaler Alleinstellungs- und Zentralitätsmerkmale in der umgebenden Raumstruktur bestimmt. Vor allem im Ruhrgebiet, in dem Großstadt an Großstadt grenzt, ist diese Bedingung längst nicht bei jeder Großstadt erfüllt; so findet sich dort mit Gelsenkirchen auch die größte Stadt Deutschlands, die kein Oberzentrum ist. Umgekehrt können größere Mittelstädte insbesondere in dünner besiedelten Gebieten den Rang eines Oberzentrums haben.

Erreichbarkeit des nächsten Oberzentrums in Niedersachsen (IHK Hannover)

 Vernetzungszentralität nach Globalization and World Cities Research (GaWC, Loughsborough Univ.)
Alpha-Cities und Beta-Cities

World cities' centrality according to GaWC (Loughsborough University, Großbritannien)

Die Welt in der Sicht der GaWC-Forschungsgruppe ist - im Gegensatz zu der vertrauteren staatenzentrierten Welt der Grenzen - eine metropolenzentrierte Welt von Menschen-, Technologie- und Wirtschaftsströmen. Städte werden beurteilt anhand ihres Spektrums hochwertiger firmen- und großkundenbezogener Dienstleistungen unter Benutzung des „Interlocking Network Model“, eines Netzwerkverflechtungsmodells der GaWC-Forschungsgruppe (siehe GaWC Research Bulletin 23). Daraus werden indirekte Maße von Netzwerkflüssen abgeleitet, um die Netzwerkanbindung einer Stadt zu berechnen, anhand welcher die Integration einer Stadt in das globale Netz der Weltstädte gemessen wird. Das ermittelte Maß an Verflechtung wird benutzt, um Städte nach Niveaustufen der Integration in das Weltstädte-Netz zu klassifizieren. Diese Niveaustufen werden wie folgt interpretiert:

Kategorie
(Niveaustufe)
Definition / Interpretation Beispiele
(Klassifikation 2016)
Alpha++ Cities Alle Analysen zeigen, daß London und New York alle anderen Weltstädte deutlich hinsichtlich ihres Verflechtungs-Integrationsgrades in das Weltstädte-Netz überragen und eine Klasse für sich bilden London, New York
Alpha+ Cities Weitere herausragend verflochtene Weltstädte, die London und New York ergänzen und im Wesentlichen die Lücke in der Nachfrage nach hochwertigen firmenbezogenen Dienstleistungen für den pazifisch-asiatischen Raum schließen Singapur, Hongkong, Paris, Beijing (Peking), Tokio, Dubai, Shanghai
Alpha Cities Sehr bedeutende Weltstädte, die große Wirtschaftsregionen und Staaten in die Weltwirtschaft einbinden Sydney, Mailand, Chicago, Moskau, Frankfurt/Main, Toronto, Jakarta, Brüssel
Alpha- Cities Dublin, Neu Delhi, Zürich, Wien, Stockholm, Guangzhou (Kanton), Riad, Tel Aviv
Beta Cities Bedeutende Weltstädte, die an der Einbindung ihrer Region oder ihres Staates in die Weltwirtschaft mitwirken Prag, München, Hamburg, Karachi, Genf, Montreal, Chennai (Madras), Rio de Janeiro
Gamma Cities Weltstädte, die kleinere Regionen oder Staaten in die Weltwirtschaft einbinden, oder bedeutende Weltstädte, deren globale Hauptkompetenz nicht im Bereich hochwertiger firmenbezogener Dienstleistungen liegt Riga, Glasgow, Detroit, Ankara, Accra, Turin, Lausanne, Dresden
Sufficiency Cities Städte ohne den Status einer Weltstadt, die jedoch selbst über ein genügendes Spektrum von Dienstleistungen verfügen, um nicht manifest von Weltstädten abhängig zu sein. Typischerweise fallen zwei spezielle Gruppen von Städten in dieses Verflechtungsniveau: kleinere Hauptstädte sowie die traditionellen Zentren industrieller Produktion. Krakow, La Paz, Taschkent, Florenz, Nairobi, Ulan Bator, Hannover, Jerusalem


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