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 Astronomie
 Planetenpfade
Planetenpfade sind begehbare Modelle des Sonnensystems, die sowohl die Planetendurchmesser als auch die mittleren Entfernungen der Planeten zur Sonne korrekt in einem gemeinsamen einheitlichen Maßstab darstellen und die aufgrund der sich daraus ergebenden Abmessungen im allgemeinen außerhalb fester Gebäude installiert werden müssen.

Die realen Größenverhältnisse im Sonnensystem und das Bedürfnis, sowohl Mikroben-Modelle als auch Riesen-Wegstrecken zu vermeiden, bringen es mit sich, daß sich der Maßstab 1:1.000.000.000 (1 zu 1 Milliarde) als Standard-Maßstab für Planetenpfade etabliert hat. Einem Meter Wegstrecke im Modell entsprechen dabei 1.000.000 km in der Wirklichkeit. In diesem Maßstab haben die Planeten Durchmesser im Millimeter- und Zentimeter-Bereich (bis ca. 14 cm bei Jupiter), während die Wegstrecke von der Sonne bis zum Rand des Planetensystems mehrere Kilometer beträgt. Ein Lichtjahr wäre in diesem Modellmaßstab immer noch 9460 km lang.

Aufgrund der Strahlen- und Ähnlichkeitssätze der Mathematik erscheint bei einem Planetenpfad die Modell-Sonne vom Standort eines Modell-Planeten aus betrachtet genau so groß (d.h. unter dem gleichen Beobachtungswinkel) wie die reale Sonne auf dem entsprechenden realen Planeten. Freilich kann bei vielen Planetenpfaden wegen der Topographie die hierfür nötige mehrere Kilometer lange freie Sichtachse gar nicht hergestellt werden. Bei der Wahl eines kleineren Maßstabs von z.B. 1:5.000.000.000 ist dies schon eher möglich.

  • Der Planetenpfad in Handeloh (Lüneburger Heide) ist ein Beispiel für einen solchen Pfad im verkleinerten Maßstab 1:5.000.000.000. Er erstreckt sich vom Ortsrand Handelohs auf einer rund 1 Kilometer langen schnurgeraden betonierten Traktorpiste, die eine durchgehende Sichtachse zum Sonnen-Modell bietet, bis in die "Dröge Heide", wo die GvA Hamburg eine Außensternwarte unterhält. Ursprünglich waren entlang des Weges Planeten-Modelle auf in den Boden eingeschlagenen Kanthölzern montiert, die jedoch der Witterung und dem Vandalismus nicht lange standhielten, und so existieren die Planetenmodelle nur noch in der 2D-Form auf den Schautafeln.
  • Deutlich robuster sind die Installationen des Planetenpfads in Lemvig/DK, der im Standard-Maßstab 1:1.000.000.000 ausgeführt ist. Dort sind die Sonnen- und Planeten-Modelle aus Bronze gegossen und letztere auf Granit-Säulen montiert. Der Planetenpfad beginnt an der Spitzkehre der Straße Vesterbjerg nahe dem Lemvig-Museum und verläuft am Westufer der Lemviger Hafenbucht "Lem Vig" bis zur Landzunge Gjeller Odde. Lemvig liegt bereits hoch im Nordwesten Jütlands am Limfjord und ist von der E 45 aus über die inzwischen großenteils neu als Autobahn gebaute Primærrute 18 Vejle-Herning-Holstebro zu erreichen.
  • In Wedel (Holstein), der westlichen Nachbarstadt Hamburgs, beginnt der Planetenpfad in Wedel-Schulau am Elbdeich unweit des weltbekannten Willkomm-Höfts und verläuft am Deich entlang elbabwärts in Richtung Haseldorfer Marsch bis zum Pluto-Modell nahe der Hetlinger Schanze, wo - wie auch am Anfang des Pfades - Parkmöglichkeiten bestehen. Die Hetlinger Schanze ist bereits von weitem zu erkennen als der Ort, bei dem auf zwei übergroßen rot-weiß gestrichenen Strompylonen eine Überlandleitung über die hier immerhin schon 1 km breite Elbe geführt wird.
  • In der ostwestfälischen Kurstadt Bad Lippspringe bei Paderborn gibt es ebenfalls einen Planetenpfad im Standard-Maßstab, der jedoch im Gegensatz zu vielen anderen Planetenpfaden als Rundweg gestaltet ist: Schon bald nach der Passage des Pluto-Modells ist man wieder zur Sonne zurückgekehrt, so daß der üblicherweise mehrere Kilometer lange Rückweg entfällt. Der Planetenpfad wird von der Planetariumsgesellschaft Ostwestfalen-Lippe unterhalten.
  • Das Sweden Solar System ist in jeder Hinsicht ein Modell der Superlative und der mit Abstand größte Planetenpfad weltweit. In dem für diese Zwecke gewaltigen Maßstab 1:20.000.000 sind alle Abmessungen 50-mal so groß wie bei den Standard-Planetenpfaden. Zentrum ist der als Sonnen-Modell (plus Korona) dienende Ericsson Globe in der schwedischen Hauptstadt Stockholm, das mit 110 m Kuppeldurchmesser größte hemisphärische Gebäude der Welt. Nur die Modelle der inneren Planeten befinden sich in Stockholm bzw. in einer Randgemeinde und können noch sinnvoll im Rahmen einer ausgedehnten Wanderung aufgesucht werden. Alle anderen Modelle von Planeten, Kleinplaneten und Kometen sind hingegen über ganz Schweden verstreut, hauptsächlich jedoch in den entlang der Europastraße E 4 nordwärts von Stockholm gelegenen Städten angebracht; so findet man das Jupiter-Modell am Flughafen Årlanda und den Saturn in Uppsala. Die äußersten Objekte sind, dem Maßstab entsprechend, sogar eine volle Auto-Tagesreise von Stockholm entfernt. Der "Termination Shock", der eine wichtige Außengrenze des Sonnensystems markiert, befindet sich im Modell ganz passend im "Outback" Schwedens, nämlich in der lappländischen Stadt Kiruna beim Institut für Weltraumphysik.


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